Yamaha zum Vinales-Aus: “Er kämpft mit seinen eigenen Dämonen”

20. Dez.

Foto: GP-Fever.de

Im Exklusiv-Interview spricht Yamaha-Rennleiter Lin Jarvis über den Bruch mit Maverick Vinales - und benennt ein offenkundiges Problem des Spaniers.

Mit einem Paukenschlag ging im Sommer 2021 die Zusammenarbeit zwischen Yamaha und Maverick Vinales zu Ende. Nachdem der Spanier beim Deutschland-Grand-Prix eine enttäuschende Leistung gezeigt hatte, ließ er nach dem Rennen auf dem Sachsenring mit kontroversen Äußerungen aufhorchen.

Ganz anders sein Auftritt beim darauffolgenden MotoGP-Wochenende in Assen: Bei der Dutch TT raste der Yamaha-Pilot zur Pole, belegte tags darauf im Rennen Platz zwei. Am Montag danach verkündete Yamaha die vorzeitige Trennung am Saison-Ende.

Dann der Eklat: Beim nächsten Grand Prix in Spielberg verlor Vinales nach einem schwachen Rennen die Nerven und drehte seine Yamaha M1 mutwillig in den Begrenzer, ehe er das Rennen eine Runde vor Schluss aufgab. Die Japaner erkannten erst einige Tage später bei der Analyse der Daten, was passiert war. Die Folge: Vinales wurde suspendiert, er sollte nie wieder eine Yamaha M1 pilotieren. Sein Vertrag wurde komplett aufgelöst.

Yamaha-Rennleiter erkennt psychische Probleme

Wie kam es zu diesem aufsehenerregenden Ende der Zusammenarbeit, die 2017 mit Lauf-Siegen in Katar und Argentinien begann? 'Motorsport-Total.com' hat bei Yamaha-Rennleiter Lin Jarvis nachgehakt, was damals in der Box der Nummer 12 alles schief lief.

"Ich denke, dass Maverick ein Mensch ist, der viel komplizierter ist als Fabio (Quartararo). Er verfügt über das gleiche natürliche Talent wie Fabio - allerdings fällt es ihm schwerer, konstant zu sein. Offenbar eine Folge seines Charakters, denn bei ihm gibt es immer Höhen und Tiefen", erklärt Jarvis.

Yamaha sah in Maverick Vinales lange Zeit den Nachfolger von Jorge Lorenzo. Doch trotz der gemeinsamen neun MotoGP-Siege und 13 Pole-Positions konnte "Top Gun" wegen seiner fehlenden Konstanz nie um den WM-Titel kämpfen.

Welche Rolle Quartararo beim Vinales-Aus spielt

"Bei Maverick wussten wir immer, dass er über das nötige Potenzial verfügt. Ich denke, dass er in diesem Jahr die gleichen Erfolge hätte erreichen können wie Fabio", bemerkt Lin Jarvis. Doch mit Fabio Quartararo hatte Vinales in diesem Jahr einen übermächtigen Teamkollegen.

"In der Saison 2020 gewann Fabio mit dem Satellitenteam drei Rennen, Maverick als Werkspilot dagegen nur eins. Er hat schnell realisiert, wie schnell Quartararo ist. Ich denke, dass Vinales nach wie vor mit seinen eigenen Dämonen kämpft. Das ist ein Problem, das nur er selbst lösen kann. Nur er kann seine Gedanken und sein Leben kontrollieren", konstatiert der Yamaha-Rennleiter.

Nach dem Aus bei Yamaha orientierte sich Vinales schon in der Folgesaison neu und heuerte bei Aprilia an. Im Werksteam der Italiener wurde er seiner Favoritenrolle vorerst aber noch nicht gerecht. Bei den letzten sechs Grands Prix (beim USA-GP verzichtete er auf einen Start) schaffte es Vinales lediglich ein Mal in die Top 10 - und stand meist im Schatten von Teamkollege Aleix Espargaro...

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