Zverev spürt das Momentum: Vom Olympiasieger zum Grand-Slam-Champion?

31. Aug.

Foto: GEPA pictures/ Christian Walgram

Alexander Zverev geht als ärgster Herausforderer von Tour-Dominator Novak Djokovic in die US Open. Er muss einen alten Makel beseitigen.

Der entscheidende Rückhandcross ins Aus, die tiefe Trauer bei der Siegerehrung, die schweren Tage danach: Als Alexander Zverev im Trikot von Bayern München zum Training ins Arthur-Ashe-Stadium in New York einmarschierte, flackerten die Erinnerungen an die bittere Endspielniederlage vor einem Jahr sofort vor seinem geistigen Auge auf.

"Bis zum heutigen Tage habe ich das Finale immer noch im Kopf. Ich war zwei Punkte vom Sieg entfernt", sagte der 24 Jahre alte Hamburger nun fast ein Jahr später vor seinem nächsten Anlauf bei den US Open. "Ich bin sehr motiviert und freue mich, auf diesen Court zurückzukehren."

Die verpasste Chance auf den so ersehnten ersten Grand-Slam-Titel durch die knappe Fünf-Satz-Niederlage gegen den Österreicher Dominic Thiem hing Zverev lange nach. Doch der deutsche Top-Spieler schaffte es, den Frust in zusätzlichen Ansporn, in noch größeren Arbeitseifer zu verwandeln. Das Momentum ist auf seiner Seite: Mit seinem Olympia-Coup in Tokio und dem Masters-Triumph in Cincinnati.

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Zverev: Der Mann der Stunde

Der Aufschlaghüne steigt am Dienstag (ab 18:00 Uhr in Österreich im Livestream auf servustv.com/sport) gegen den US-Amerikaner Sam Querrey in das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres ein. Am Montag sorgte der Münchner Peter Gojowczyk schon für eine Überraschung und schaltete den an Position 23 gesetzten Franzosen Ugo Humbert in der ersten Runde mit 1:6, 6:1, 6:2, 5:7, 6:4 aus.

Der Mann der Mann der Stunde auf der Tour ist Zverev. Und der ärgste Herausforderer von Tour-Dominator Novak Djokovic, der Historisches schaffen will. Die drei Majors in Melbourne, Paris und Wimbledon hat der Serbe in diesem Jahr allesamt beeindruckend gewonnen und könnte mit dem Titel in New York als erster Spieler seit Rod Laver 1969 einen Kalender-Slam vollenden. "Das ist eine einfache Frage. Ja, das wäre es", sagte Djokovic auf die Frage, ob dies sein größter Erfolg wäre. Zugleich würde er sich zum alleinigen Grand-Slam-Rekordchampion vor den verletzt fehlenden Roger Federer und Rafael Nadal (alle 20 Titel) krönen.

Sollte alles glatt gehen, treffen Zverev und Djokovic im Halbfinale aufeinander. Zuletzt behielt der Deutsche im direkten Duell in Tokio die Oberhand. Djokovic zeigte sich dort ungewohnt verwundbar, verpasste sogar Bronze und legte anschließend eine Pause ein. Doch bei den größten Turnieren des Jahres entwickelt der 34-Jährige noch einmal eine stärkere Widerstandsfähigkeit, die Zverev oder die anderen Mitfavoriten Daniil Medvedev aus Russland oder French-Open-Finalist Stefanos Tsitsipas aus Griechenland erst einmal überwinden müssen.

Becker: "Umso wichtiger ist dieser Sieg bei Olympia"

Zverev kämpft dabei auch gegen eine Statistik an, die Boris Becker ziemlich "verblüffend" findet. Noch immer ist der Weltranglisten-Vierte bei Grand Slams sieglos gegen Spieler der Top Ten. Zverev steht bei 0:10. "Ich weiß nicht, ob ihm das so bewusst ist", sagte Becker, der das Turnier als Experte begleiten wird. "Umso wichtiger ist dieser Sieg bei Olympia. Aber klar - die Bilanz ist wohl der Grund, warum er noch keinen Grand Slam gewonnen hat."

Das will Zverev dringend ändern. Mit dem Tokio-Triumph hat er sich von der Last befreit, endlich einen großen Titel zu gewinnen. Auch in New York hat er noch immer seine Deutschland-Shirts an. "Egal, was in meiner Karriere passiert, ich werde immer Olympiasieger sein", sagte Zverev. "Es war schon ein sehr besonderer Monat. Mal schauen, was jetzt in New York passiert." Alles scheint möglich. (SID/red.)

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