Die Mike Leitner-Story: Deshalb reagierte KTM

26. Nov.

Foto: (C) KTM

Mike Leitner ist bekanntlich nicht mehr Teammanager bei KTM. Er bleibt ein Teil des Unternehmens. Warum KTM so reagierte, erklären der Betroffene und Pit Beirer.

Nach den schwankenden Leistungen in der MotoGP-Saison 2021 hat sich KTM strategisch neu aufgestellt. Bereits im Sommer stieß Fabiano Sterlacchini von Ducati zu den Österreichern. Der Italiener hat die Leitung der MotoGP-Entwicklung übernommen und koordiniert die technischen Abteilungen in Munderfing und Mattighofen.

Nun gab KTM bekannt, dass Mike Leitner nicht mehr als Teammanager fungieren wird. Künftig wird Francesco Guidotti diese Aufgabe übernehmen. Der Italiener kommt von Pramac und arbeitete bereits vor mehr als zehn Jahren bei KTM, als man in der 125er- und 250er-Klasse engagiert war.

„Zunächst möchte ich unterstreichen, dass es keine Trennung vom Mike ist, denn er ist nach wie vor bei KTM", betont KTM-Motorsportchef Pit Beirer gegenüber 'Motorsport-Total.com'. „Er ist und bleibt Freund des Hauses. Mike hat sieben Jahre Tag und Nacht alles für dieses Projekt gegeben."

„Wir haben gemeinsam beschlossen, dass wir im Teammanagement andere Wege gehen wollen. Wir müssen im Projekt den nächsten Schritt machen und das sportliche Management und die Motorradentwicklung stärker trennen."

„Es war eine Erkenntnis von Mike und mir gemeinsam, dass sich in Zukunft etwas radikal ändern muss, weil wir sonst nie diesen Sprung machen werden. Da ist der Entschluss gereift, dass wir uns für die Zukunft verändern werden."

Mike Leitner steht hinter der Neuausrichtung

Leitner stieß zum MotoGP-Projekt, als dieses noch in den Kinderschuhen steckte. Zunächst war er Berater und übernahm im Laufe der Zeit immer mehr Rollen. „In den vergangenen Jahren waren es einerseits die Aufgaben an der Strecke", sagt der Österreicher gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

„Dazwischen bin ich auch in technische, strategische Entscheidungen und in viele Dinge involviert gewesen. Wir reden schon länger über dieses Thema. In den vergangenen sieben Jahren habe ich unglaublich viel Energie investiert, so ein Projekt von null weg auf die Beine zu stellen."

„Jetzt ist das Projekt an einem Punkt angelangt, an dem man es strategisch anders aufstellen muss. Das sehe ich auch so. Mit neu aufstellen meine ich, dass man dem Projekt mehr Gesichter geben muss. Das finde ich voll in Ordnung", sagt Leitner.

Nach den Erfolgen im Jahr 2020 erlebte KTM eine Saison 2021 mit Höhen und Tiefen. Als man in Katar Probleme bemerkte, wurde technisch viel verändert und in Mugello ein Update gebracht, mit dem Miguel Oliveira in Barcelona gewonnen hat.

KTM will mehr Ruhe ins Rennteam bringen

Die zweite Saisonhälfte verlief abgesehen von Brad Binders Flag-to-Flag-Sieg in Spielberg schwierig. Da es die erste Saison ohne Concession-Vorteile war (unter anderem kaum Tests mit den Stammfahrern), wurden auch im Rahmen der Rennwochenenden neue Entwicklungen ausprobiert.

„Die Fahrer waren verunsichert und hatten nicht die Möglichkeit, sich mit den normalen Rennthemen zu beschäftigen", sagt Beirer. „Dann kam nach dem ersten Training die Frage, wie die Teile waren. Da haben wir sicherlich zu viel Unruhe ins Team reingebracht."

Mit der Umstrukturierung will KTM für mehr Ruhe sorgen. Sterlacchini koordiniert in Österreich die technische Entwicklung. Das Testteam rund um Dani Pedrosa probiert neue Entwicklungen. Und das Rennteam soll sich auf die volle Performance des Pakets konzentrieren.

„Genau", sagt Beirer. „Wir haben ein sehr gutes Testteam. Mit Dani Pedrosa haben wir einen fantastischen Testfahrer. Über diesen Weg haben wir viel Gutes erreicht, aber irgendwann haben wir nicht die richtige Grenze gezogen und haben zu viel ins Rennteam gebracht."

„Wir müssen die Entwicklungsschritte mit anderen Zeitplänen belegen - vielleicht etwas länger testen und sicherer sein, wenn ein Teil ins Rennteam kommt. Es müssen einfach weniger Teile ins Rennteam kommen, da muss mehr Ruhe rein."

Guidotti laut Leitner der richtige Teammanager für KTM

Für diese Ruhe soll Guidotti sorgen, der im Gegensatz zu Leitner kein Techniker ist. „Um diese Rolle auf der Rennstrecke zu übernehmen, glaube ich, dass er ein guter Mann ist", sagt Leitner über seinen Nachfolger. „Ich glaube, dass er die Rolle super ausfüllen wird."

„Er ist niemand, der technische Entscheidungen treffen kann. Das verlangt von ihm aber niemand. Er übernimmt ein funktionstüchtiges Team und muss nichts aufbauen. Ich habe sehr viel Herzblut investiert, damit wir die richtigen Personen haben."

Leitner betont, dass er in die Entscheidung für Guidotti involviert war. Deshalb sagt Beirer: „Jetzt hat Mike auch mitgezogen, die Veränderung zuzulassen. Es gibt kein böses Blut, sondern einfach nur Stolz, was erreicht wurde. Wir sind dem Mike sehr dankbar, gar keine Frage."

„Natürlich ist für ihn auch Wehmut dabei, weil er jetzt sein Baby abgibt. Auf der anderen Seite hat er etwas Gewaltiges auf die Beine gestellt. Jetzt ist es Zeit, Dinge zu verändern. Frisches Blut, junge Ingenieure. Sie müssen jetzt mit uns weiterziehen."

Im Hintergrund ist Sterlacchini ein wichtiger Baustein für die technische Koordination. „Wir haben sehr gute Einzelbereiche, aber er ist jetzt der Mann, der alles koordiniert", hält Leitner fest. „Das hat uns gefehlt. In den ersten beiden Jahren haben das Sebastian Risse und ich übernommen."

„Als wir dann auf der Strecke waren, ist ein Vakuum entstanden. Es war sehr intensiv, denn nach den Rennen mussten wir im Haus Rollen unternehmen. Jeder hat es gerne gemacht, aber jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem man sich für die Zukunft besser aufstellen muss."

„Da bin ich in einer Linie mit den Entscheidungen, die gerade passieren. In welcher Rolle man mich dann sehen wird, werde ich mir überlegen. Es hängt auch davon ab, wo mich KTM sehen will. Jetzt blicke ich positiv in die Zukunft und freue mich auf die nächste Rennsaison."

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